Frauen in Victoria

Das Gespräch mit ihrem Vater wollte Vega aus dem Haus Barathea so schnell nicht aus ihrem Kopf. Er bestand auf die 3 Silber Überschuss, die sie erwirtschaften sollten und Vega wusste, wenn Markus Baratheus eine Warnung aussprach, so sollte man sie ernst nehmen. Wenn sie jetzt,  nachdem sie Tasdron verloren hatte, auch noch gezwungen würde von ihrem Amt als Präfektin der Zentralverwaltung zurückzutreten, so würde ihr Leben noch träger dahinfließen, bis sie schließlich das Gefühl haben würde, bis hoch zu ihren Hüften in klebrigem Zuckersirup zu stecken. Es musste doch vorwärts gehen! Sie ließ den Blick über den Vosk schweifen. Hier oben am Tempelplatz hatte man einen guten Blick und nichts Störendes verstellte die Sicht auf das stoisch dahinfließende, mächtige Gewässer.

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In dieser Hand standen einige Besuche an. Totilas Salutaris, der zum ersten Heiler ernannte worden war, konnte zum Hausbesuch kommen. Ihr Vater hatte seinen Segen dazu gegeben, vermutlich in der Hoffnung seiner erstgeborenen Tochter den Makel nehmen zu können, dasss sie nicht in der Lage war Söhne zu gebären. Totilas’ Schwester, Seraphina, würde ebenfalls vorbeischauen, aber dieser Besuch war mehr privater als medizinischer Natur. Und schließlich dachte Vega an den jungen Aelius, Caius war sein Name, aber alle nannten ihn nur Araneus. Sein Vater, Lucius Aelius, war lange Zeit ein enger Berater von Tasdron gewesen, aber dann plötzlich aus dem Gunstkreis des Administrators verstorben, bevor er in die Stadt des Staubes gegangen war. Vega hatte dem Blick von Araneus entnehmen können, dass es zwischen der Familie Aelius und Tasdron, dem selbst ernannten Ewigen, ein Geheimnis geben könnte, das ihr von Nutzen sein mochte. Verbündete. In ihrer Wut und Enttäuschung suchte sie aus einem inneren Reflex heraus Kontakt zu denen, die Tasdron ebenfalls nicht wohl gesonnen sein mochten. Caius hatte sie eingeladen zu einem Abendessen in der Villa Aelius. Sie würde hingehen und hatte Dillus davon überzeugt, vor ihrem Vater darüber Stillschweigen zu bewahren.

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Vater. Vega würde viel darum geben, aus seinem Mund ein tröstendes Wort oder gar ein Lob zu hören, aber der alte Mann saß meist über Schriftrollen gebeugt im Arbeitszimmer. Seit dem Tod ihrer Mutter war er selten aus dem Haus gegangen. Er war bis spät in die Nacht wach und morgenss oft früh auf. Womöglich hatte er den Schlaf als Verbündeten des gesunden Verstandes verloren. Neuerdings pflegte er Kontakt zur Familie Crispus. Das tat Vega zwar auch, aber das hatte vollkommen andere Gründe. Niemals hätte sie Gaius und Lucia als ihre Freunde bezeichnet, denn es waren doch nur Sklavenhändler. Menschen niedriger Kaste. Man nutzte sie um seinen Vergnügungen nachzugehen und seinen Vorteil zu erlangen, aber man war nicht mit ihnen befreundet. Vega runzelte die Stirn. Markus Baratheus hatte an diesem Abend sogar sein Arbeitszimmer verlassen um zu dem Fest im Sklavenhaus zu gehen, zu dem die halbe Stadt, zumindest die einflussreichen Familien, eingeladen gewesen waren. Sie schüttelte ungläubig den Kopf. Beim Verlassen des Domus eben waren Musik und Gelächter von der Terrasse des Ludus bis nach oben zu ihr ins Villenviertel vorgedrungen. Sie selbst hatte Kopfschmerzen vorgetäuscht und war dann ein wenig spazieren gegangen. Sie dachte nicht im Traum daran sich in einen mit feisten Händlern vollgestopften Raum zu begeben um deren banalen Geschwafel zu lauschen. Sie würde in der kommenden Woche das Haus Crispus aufsuchen, aber nicht in Gesellschaft und nur zu dem Zweck, den neuen Kampfsklaven zu besuchen, von dem sie hoffte, dass er in ihrem Namen kämpfen könnte. Vielleicht würde er seinen ersten Kampf zum En’var Markt antreten. Bis dahin war noch genug Zeit ihn zu trainieren.

Zum En’var Markt würde sie auch das kostbare Pulver auftragen, das der Parfumeur von Avonicus ihr als Probe geschenkt hatte. Bei Vaters neuesten Anwandlungen musste sie sparsam sein und der Markt war die passende Gelegenheit sich von ihrer besten und schönsten Seite zu zeigen. Der Parfumeur schien ein seltsamer Kauz zu sein. Vega war nicht sicher, ob sie seine Komplimente ohne Risiken und Nebenwirkungen genießen konnte, oder ob hinter der schlüpfrig freundlichen Art des Alten nicht eine Absicht lauerte. Das Haus Avonicus gehörte zur Kaste von Tasdron, der Kaste der Händler. Warum also scherzte der Alte mit ihr gemeinsam über den Tarn, der über der Statue auf dem Stadttor kreiste und der hin und wieder sicher einen Fleck auf Tasdrons Kopf landen würde?

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Der Spaziergang hatte Vega auch an diesem Abend bis hinunter an den Hafen geführt. Einige Fremde waren in der Stadt gewesen und trieben sich wie meist in der unteren Stadt herum. An sich war dies kein Ort für Vega, aber sie empfand eine stille Freude daran, sich hier unter’s Volk zu mischen und zu vergessen, wer oder was sie war. Fast täglich suchte sie sich daher einen Grund an den Hafen zu laufen und fütterte im Anschluss den kleinen Affen im Käfig mit einer Nuss, ungeachtet dass er beständig versuchte sie zu beißen und vorübergehende Passanten mit seinem Kot zu bewerfen. Hin und wieder scherzte sie sogar auf offener Straße mit einem Mann. Besonders die Fremden unter ihnen, die nach Victoria kamen, starrten den freien Frau nach. Vega hatte Victoria nie verlassen, aber sie wusste, dass man anderswo die Frauen hinter Schleiern versteckte und diese statt schöner Kleider,  bestickte, zeltartige Säcke trugen um ihre Weiblichkeit zu verstecken.

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Als sie eben von ihrem Spaziergang zurückkehrte, war auf den Straßen dichtes Gedränge gewesen und im Händlerviertel war es offenbar so voll, dass es an der Treppe kein Vorwärtskommen mehr gab. Sie trat deshalb zu einer Gruppe, die vor der neu eröffneten Schneiderei versammelt war und mischte sich ein wenig unter die Anwesenden und ins Gespräch. Die Schneiderin schien eine resolute Frau zu sein, die mit Worten umzugehen wusste. Ganz offenbar war sie bereits mit dem Wirt vom schlüpfrigen Loch aneinander gerasselt und machte keinen Hehl daraus, was sie von ungehobelten besserwisserischen Männern hielt. Vega schmunzelte. Offenbar war die Frau allein stehend und niemandem Gehorsam und Rechenschaft schuldig. Sie wusste nicht, ob sie darum wirklich zu beneiden war.

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Nachdem das Chaos auf der Treppe beseitigt war, machte sie sich auf den Weg nach Hause. Morgen würden die freien Frauen Gelegenheit zu einem Besuch der Thermen haben. Besonders für diejenigen unter ihnen, die weder Amt noch Beruf ihr eigen nannten, waren die gesellschaftlichen Anlässe eine willkommene Abwechslung um den eigenen, manchmal doch recht engen  Wänden zu willkommen.

***

 

DI, 3.Juni, Frauenabend in der Therme (Sklaven, auch männliche sind natürlich willkommen) S & E, Plotten nicht ausgeschlossen

FR, 6. Juni, Tavernenabend, Plottag für die Männer
FR, 13. Plottag, Hoher Rat zu Victoria
Wir würden gern – falls Interesse besteht – einen RP-Tag im Rahmen des goreanischen En’Var Marktes gestalten. Wenn jede Familie nur einen Programmpunkt bietet, füllen wir vermutlich zwei Tage. Die Programmpunkte sollen die Atmosphäre eines solchen Marktes befördern, der im goreanischen Jahr nur viermal vorkommt und ein entsprechendes Ereignis darstellt. Gern dürfen sich auch die unter euch melden, die Spaß haben mal einen Gaukler oder dergleichen zu spielen. 

Vorschläge nehme ich gern entgegen. Beric dann wieder ab nächste Woche. Der Termin wäre Samstag, der 28. Juni.

 

 

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