Schwitzen und denken im Laconicum

Vega erhob sich aus dem Wasser und überließ ihren begehrten Platz in der Ecke des Warmbeckens der jungen Callista Avonicus. Der Thermentag, so hatte sie gedacht, war eine gute Gelegenheit, den Befehl ihres Vaters auf dessen Umsetzbarkeit zu prüfen. Aber es fiel ihr nicht leicht, zur Händlerin Nanda freundschaftliche Beziehung anzubahnen, was zum einen daran lag, dass die ihr eigene kastengeprägte Überheblichkeit ihr imWege stand und zum anderen daran, dass sie nicht wusste, wie Frauenfreundschaften in ihren Grundsätzen funktionieren. Sie hatte nämlich bisher noch keine gehabt.

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Ihr Ansatz, so dachte sie bei sich, während sie sich von Kiku, einem Panimädchen aus dem Haus Atticus eine Bürstenmassage verabreichen ließe, ihr Ansatz war wohl zu forsch und einen Hauch zu investigativ gewesen. Als dann die Schneiderin mit dem großen Mundwerk noch ins Becken kam, schob sie das Mädchen sanft beiseite und zog sich ins Dampfbad zurück um nachzudenken.

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Viel mehr als Nanda und der Wille ihres Vaters beschäftigte sie die denkwürdige Begegnung mit Valerius Tillius Atticus, dem zurückgekehrten Onkel, von dem bereits Gerüchte in Umlauf waren, er sei ehrgeizig genug das erste Schwert von Victoria zu werden. War sie mit einem Mann in einem Raum, so wie mit Valerius im Zentralarchiv, so fiel es ihr nicht schwer ein Gespräch zu führen, desssen Inhalte ihr relevant vorkamen. Und relevant, das war für sie vor allem die Frage, wie man eine Dynastie von Tasdrons Nachkömmlingen und Anverwandten verhindern konnte. Sie seufzte. Aber noch etwas anderes war geschehen im Gespräch mit Valerius, etwas das sie irrtierte und verzückte sogleich und etwas, das ihr in der letzten Nacht atemloses Keuchen und unsittliches Fingerspiel unter der Bettdecke eingebracht hatte.

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Sie drehte sich auf der warmen Steinbank auf den Bauch und legte den Kopf auf ihre Arme. Seufzend. Mit Männern waren die Dinge einfacher. Nanda hatte sich zugeknöpft gegeben und die Schneiderin hatte zwar Humor und Verstand, schien aber nicht einmal in den Grundzügen über die politischen Gegebenheiten in Victoria informiert zu sein. Nein, der Thermentag war für das Ausloten von Verbindungen zum Sturze Tasdrons kein Erfolg gewesen, wohl aber für die Entspannung des Leibes. Nun blieb neben ihrer im Entstehen begriffenen Verbindung zum Haus Atticus noch das Abendessen im Haus Aelius. Beide waren auf ihre Art und Weise interessant. Die eine Familie stellte möglicherweise bald das erste Schwert. Die andere Familie verfügte über eine durchaus nennenswerte Streitkraft innerhalb der Mauern von Victoria.

Sie schloss die Augen und lauschte den Stimmen der freien Frauen, die ausgelassen, aber gedämpft zu ihr drangen, während sie sich alles Überflüssige aus dem Leib schwitzte.

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