Im Bau der Ost

Valerius Atticus hatte sich besorgt gezeigt über Vegas Einladung ins Stadthaus der Aelier. Sicher, sie waren seiner Kaste und teilten somit den Kodex der Krieger, aber etwas Unangenehmes haftete dem Haus an. Eine Art klebrig süßer Dunst, der verlockend und abstoßend zugleich war und sich sicher aus den Gerüchten speiste, die sich um das Haus Aelius rankten. Vega glaubte nicht daran, dass Caius Aelius, der von allen nur Araneus genannt wurde, wirklich Kontakte zur schwarzen Kaste pflegte, aber seine Art hatte etwas an sich, dass sie sowohl anzog wie auch in eine Art Anspannung versetzte, die ähnlich dem Gefühlszustand war, wie man ihn empfand, wenn man des nachts durch eine dunkle Gasse gehen muss. Und das ganz allein.

Einige Augenblicke nachdem sie an der Eingangspforte geklopft hatte, öffnete eine Frau die Tür, die sie erst für Araneus’ Gefährtin gehalten hatten, viel mehr war es aber Milena, die Gefährtin seines verstorbenen Vaters, Lucius Aelius. Sie und auch seine Halbschwester, Anaya, verabschiedenen sich recht rasch, so dass sie mit Araneus zurück blieb. Allein. Sie hatte die Liege gewählt, die am entferntesten von der seinen war und trotzdem fühlte sie sich, als müsse sie unbedingte Wachsamkeit halten.

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Der Plan, den Araneus ihr kurz skizzierte, klang derart niederträchtig, dass sie Mühe hatte ihren kühlen Gesichtsausdruck beizubehalten. Der Mann war leise, unauffällig und damit so gefährlich wie eine giftige Ost. Sein Plan entsprach ihn im vollem Maße und beinhaltete einige Unwägbarkeiten, deren hohes Risiko Vega mit Unbehagen erfüllten. Zu ihrem Glück musste sie gar nicht erst wirklich Stellung dazu beziehen, denn Araneus hatte eine simple Tatsache nicht bedacht, von der auch nur Vega, ihre Familie, Tasdron und die Familie Salutaris wussten. Vega war körperlich nicht mehr in der Lage den Zug auszuführen, den Araneus ihr als Figur auf seinem Kaissabrett der politischen Intrigen zugedacht hatte.

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Davon gab er sich wenig beeindruckt. Umdenken, müsse er, so gab er ihr zu verstehen. Vega lächelte. Das Gespräch hatte einen für sie unangenehmen Punkt der Vertraulichkeit überschritten und Araneus wusste nun Dinge von ihr, die sie lieber für sich behielt. Andererseits schien er sich – ähnlich wie sie – an dem Ziel zu orientieren, Tasdron zu entmachten.

Aber heiligte der Zeck wirklich jedes Mittel? Nachdem sie das Haus der Aelier verlassen hatte, sprang die Melancholie auf Vegas Schultern wie ein lauerndes Tier aus dem Hinterhalt und drückte sie fast zu Boden. Das Blut Unschuldiger würde fließen müssen. Aber waren sie wirklich unschuldig, wenn sie mit Tasdron paktierten oder seine Dynastie sichern sollten?

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