Erbsenhirn, schön anzusehen

Vega trat zornig aus dem Hospital und rieb sich die immer noch schmerzende Hand. Rot angemalter eitler Pfau, Erbsenshirn, Gladiustransportkörper, das waren noch die freundlicheren Bezeichnungen, die ihr durch den Kopf schossen über diesen Sergius Atticus. Ja, sie hatte ihn geohrfeigt, aber erst nachdem er sie als etwas “Abgelegtes” bezeichnet hatte, das sicher froh war, dass sein Onkel Valerius die Gefährtenschaft in Erwägung zog.

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Damit hatte er die verbale Lanze bis zum Anschlag in ihre schmerzende Wunde gerammt und ihre Reaktion war reflexartig und aus tiefstem Herzen erfolgt. Musste sie sich von so einem Jüngling so etwas bieten lassen, nur weil er der Ädil war? Sie war immer noch die Tochter von Markus Baratheus, dem ersten Schriftgelehrten! Sie kochte. Und sie würde ihn das fünfseitige Antragsformular ausfüllen lassen, wenn er wegen des gefundenen Leichnams Auskunft aus den Archiven benötigte. Und wenn er es nicht ausfüllen konnte, sollte er sich eben einen Schriftgelehrten bezahlen, dieser eingebildete Geck.

Dabei hatte sie bereits eine Ahnung, wer der tote Tarnreiter sein mochte, dessen Zustand darauf hindeutete, dass er bereits zwei oder mehr Märkte tot herum gelegen hatte. Seraphina, die Medizinerin, schätzte, dass ihn jemand von seinem ursprünglichen Todesort an den Hafen geschafft hatte um damit eine Botschaft loszuwerden. Vom Fund des Toten wussten derzeit nur Vega, die Schneiderin Suna, die Familie Salutaris, der Legta Sextus aus dem Haus Atticus und nun eben das rotgewandete Erbsenhirn.

Vega war nun allerdings nicht auf dem Weg in das Archiv der Curia, auch wenn sie das sicher behauptet hätte, wenn man sie gefragt hätte, warum sie so zielgerichtet auf den Platz im Regierungsviertel zusteuerte. Nein, heute stand das Training der roten Kaste an und wie die meisten freien Frauen der Stadt, hatte sie ihren schönsten Schmuck angelegt und wandelte in den schattigen Säulengängen um das Schauspiel nicht zu versäumen.

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Sie wurde nicht enttäuscht, denn auch Valerius, das zukünftige erste Schwert von Victoria, zeigte sich pflichtbewusst beim Training und demonstrierte vor aller Augen, wie bereitwillig die Krieger seinen Befehlen folgten. Sie hatte von ihm bereits erfahren, dass das Haus Aelius seine Absicht unterstützte und so schien es ihr auch, als würde der junge Benendius durchaus Sympathien hegen für den älteren und erfahreneren Krieger aus dem Haus Atticus. Als Sergius mehrfach zu Boden ging im Verlauf des Trainings und Valerius sich von ihr ein Tuch erbat, das ihm Glück bringen sollte, war sie wieder milder gestimmt und der Zorn wich dem angenehmen Kribbeln, das die Nähe und der Anblick von Valerius in ihr auslösten.

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Schließlich gab es noch eine Runde “Jeder gegen jeden”, nachdem besonders Sergius seinen nackten Oberkörper in den Blicken der Ladies gesonnt hatte. Bei den Priesterkönigen! Dieser Krieger war nicht nur mit wenig Verstand gesegnet, sondern auch noch eitel wie ein Weib. Was bildete er sich denn ein? Hatten nicht jeder der anwesenden Krieger einen schönen Körper? Musste er sich so demonstrativ den Schweiß von der Haut reiben in direkter Nähe zu den Frauen?  Vega hasste ihn in diesem Moment so inbrünstig, dass sie es am liebsten gesehen hätte, wenn er seine Zähne auf der Kante einer der Stufen verloren hätte, die zur Curia hochführten, leider wurde ihr dieser Wunsch nicht erfüllt. Trotzdem gab sie stolz das Startsignal, das Valerius Atticus sich vor den Augen und Ohren aller von ihr erbat. Ihr Herz pochte vor Glück so schnell in ihrer Brust, dass es fast hinauszuspringen drohte.

Nachdem das Training beendet war, verlief sich die Menge und vor dem Domus Baratheus traf die überraschte Vega auf ein Gefolge aus dem Hause Crispus, offenbar auf Einladung ihres Vaters hin. Sie seufzte und ließ sie eintreten. Als aber Markus Baratheus sie dazu aufforderte ihnen Gesellschaft zu leisten, verschwand sie in einem dafür geeignet erscheinenden Moment zurück auf die Straße. Sie musste Valerius sprechen und ihm erklären was zwischen ihr und Sergius vorgefallen war und zwar BEVOR dieser eitle Pfau seine Version als die einzige Richtige darstellen konnte.

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