Volksmagistrate – Eine OOC Erläuterung

In der heutigen Ratssitzung schilderte Tasdron, der langjährige Händler-Administrator von Victoria, dem hohen Rat der Stadt seine neuesten Ideen. Tasdrons Vorschlag mit dem meisten Zündstoff, ist die Einführung eines Volksmagistrats.

Nea und ich haben uns von den Volkstribunen der römischen Republik inspirieren lassen, die zeitweise mit ihren ausufernden Machtbefugnissen die Geschicke des römischen Reiches entscheidend mitbestimmen konnten.

Der römische Volkstribun in Kurzform

Das Volkstribunat ist mit Sicherheit eine der interessantesten und gleichsam sonderbarsten Repräsentanzen eines Volkes, die es je in irgendeiner Verfassung auf der Welt gegeben hat. Das Amt des tribunus plebis wurde im Jahre 491 v.Chr. im Zuge der Auseinandersetzungen infolge der kriegsbedingten sozialen Verschlechterungen des Volkes als beständige politische Repräsentanz der Plebejer geschaffen. Zunächst gab es zwei, später fünf und schliesslich zehn Volkstribunen. Ihre Wahl erfolgte in der Volksversammlung, später vermutlich in den Tributarkomitien.
Quelle: http://imperiumromanum.com/staat/magistrat/magistrat_06.htm

  • Die Tribunen waren sakrosankt, das heißt für die Dauer ihrer Amtszeit (1 Jahr) unantastbar. Wer dennoch gegen die vorging, galt als verflucht.
  • Ihre Aufgabe war es, die Interessen des Volkes zu wahren.
  • Sie konnten jederzeit eine Volksversammlung einberufen. In den Volksversammlungen konnte über alle Belange des Staates abgestimmt werden.
  • Mit ihrem Vetorecht, konnten die Tribunen sogar den Senat blockieren. Allerdings mussten sich hierzu alle gewählten Tribunen einig sein. Das Vetorecht beschränkt sich auf die Amtshandlungen des Senats oder eines einzelnen Magistrats (dazu zählen auch die Konsuln). Gegen Volksbeschlüsse hingegen konnte kein Veto mehr eingelegt werden.
  • Volkstribune konnten Verordnungen für das Volk erlassen, allerdings beschränkten sich diese nur auf die Stadt Rom selbst.

Das Amt des Volkstribuns änderte sich im Lauf der römischen Geschichte mehrfach. Erst mit Einführung des Kaiserreichs verloren die Tribunen an politischer Bedeutung. Das Amt blieb zwar bestehen, galt aber fortan nur noch als „Ehrentitel“ um dem Imperator zumindest den Anschein einer volksnahen Einstellung zu verleihen.

 

Das Volksmagistrat von Victoria – Tasdrons Kaissazug

Tasdron, der langjährige Administrator von Victoria, stammt aus der Kaste der Händler und besitzt eine oder mehrere Tavernen. Er war es, der zusammen mit einigen wenigen Mutigen den Piraten die Stirn bot und nach deren endgültigen Niederlage der Stadt wieder einen Heimstein gab. Aus Dankbarkeit wurde er zum Administrator der Stadt bestimmt und konnte Jahr für Jahr seine Macht weiter ausbauen und sein Amt sichern. Doch nun sieht Tasdron langsam seinen Einfluss schwinden. Vor allem die hohen Kasten wehren sich mittlerweile offen gegen einen Händleradministrator und der Ruf nach Neuwahlen wird immer lauter. Nach außen hin beugt sich Tasdron den Wünschen des hohen Rates, doch eigentlich denkt er gar nicht daran sein Amt abzugeben. Im Gegenteil. Erst vor zwei Wochen hat er dem Volk seinen Sohn und Erben präsentiert und von einer Administratorendynastie gesprochen. Vor allem beim einfachen Volk und seiner eigenen Kaste findet er nach vor großen Rückhalt, die ihn Tasdron einen aus ihrer Mitte sehen. Ein Umstand den sich Tasdron immer wieder zunutze macht.

Der hohe Rat von Victoria setzt sich übrigens nicht nur aus den fünf hohen Kasten zusammen. Da Victoria ein vom Handel geprägte Stadt ist, sind auch die Händler mit einem Magistrat im Rat vertreten. Allerdings sehen die Händler sich seit jeher nicht unbedingt als “niedere” Kaste, sondern sind sich ihrer eigenen Macht- und Einflussposition durchaus bewusst. Das Geld regiert auch goreanische Städte und die hohen Kasten müssen diese Tatsache zwangsläufig akzeptieren und sich dem beugen. Noch dazu neigen die Händler längst dazu, auch innerhalb der eigenen Kaste zu differenzieren. Es gibt kleine Händler und Geschäftsinhaber und im Gegenzug die mächtigen und alteingesessenen Handelshäuser mit ihrem weitverzweigten Netzwerk und den vollen Geldtruhen.

Zurück zu unserer aktuellen Situatiuon. In Victoria häufen sich in jüngster Vergangenheit die Unglücksfälle innerhalb der hohen Kasten und des Rates. Das vormalige erste Schwert der Stadt ist angeblich an einem Vuloknochen erstickt,der frühere und langjährige erste Händler kam beim Kräutersammeln ums Leben und der erste Wissende befindet sich seit Monaten auf einer Pilgerfahrt. Es wird gemunkelt, dass Tasdron nicht gerade zimperlich mit seinen schärfsten Kritikern umgeht und seine früheren Verbindungen nutzt, um umliebsame Zeitgenossen zum Schweigen zu bringen.

Das Volksmagistrat ist ein weiterer Zug auf dem Kaissabrett der Macht, um Tasdrons Regentschaft für weitere Jahre zu sichern. Der Rat steht unter Zugzwang. Und so sieht sein Plan aus:

  • Der hohe Rat bleibt bestehen, wird allerdings um zwei Volksmagistrate ergänzt.
  • Diese beiden Volksmagistrate werden vom Volk gewählt. Zugelassen sind männliche Heimsteinangehörige aus allen Kasten. Die Volksversammlung ist schnellstmöglich einzuberufen.
  • Ein Bürger aus niederer Kaste hat zwei Stimmen, die entweder für einen Kandidaten abgeben oder auf zwei verteilen kann.
  • Ein Bürger aus hoher Kaste hat nur eine Stimme.
  • Wer sich für das Amt des Volkstribun bewirbt, muss sich binnen einer Hand beim Präfekt der blauen Kaste in das Register eintragen lassen (Vega Baratheus).
  • Der „Wahlkampf“ dauert zwei Hand ((Wahlkampf = persönlich, Kritzeleien auf Wänden, Plakatmaler, etc.)).
  • Anschließend geben alle Bürger ihre Stimme (n) in einer Volksversammlung ab. ((Diese Volksversammlung wird aus simtechnischen Gründen auf zwei Tage verteilt. Einzelheiten geben wir noch bekannt!)).

 

Die Rechte und Pflichten des Volksmagistrats:

Auch Tasdrons Volksmagistrate sind sakrosankt, das heißt für die Dauer ihrer Amtszeit unantastbar. Sie dürfen weder verletzt noch angegriffen werden und eine Störung ihrer Amtsausführung kann in besonders schweren Fällen mit dem Tod bestraft werden.

Ein Volksmagistrat kann Gesetzesvorlagen in den hohen Rat einbringen. Lehnt der Rat ab, können beide Magistrate zusammen die Volksversammlung einberufen und darüber abstimmen lassen.

Beide Volksmagistrate können per Veto Beschlüsse des hohen Rats blockieren. Allerdings nur dann, wenn beide sich einig sind.

Der Volksmagistrat steht einem Magistrat gleich, das heißt Einsicht ins Archiv, er kann an Ratssitzungen teilnehmen, etc.

 

Impulse für das (politische) Rollenspiel

Politisches Rollenspiel gilt als so ziemlich das langweiligste was es gibt. Ist auch meistens so. Wir wollen keine stundenlangen Ratssitzungen oder Beschlussfassungen, die sich über Wochen hinziehen. Tasdrons Idee ist nur ein weiterer Schachzug auf dem Spielbrett der Macht. Warum?

Nun, zum einen gibt es nun plötzlich zwei weitere Spielfiguren, die mit einem unglaublich mächtigen Vetorecht ausgestattet sind und jeden anderen Magistrat oder sogar den ganzen Rat bei seiner Arbeit behindern können. Tasdron verspricht sich durch diesen Zug weitere Beliebtheit beim einfachen Volk und eine sichere Wiederwahl.

Die unzähligen Beispiele aus Rom zeigen uns die damalige Realität. Volkstribune wurden gekauft. Der römische Adel sicherte sich so seinen Einfluss unter den Tribunen und die Kontrolle über das Volk. Dem Volk hingegen wurde die politische Einflussnahme vorgegaukelt. Eine Möglichkeit um die immer größer werdende Anzahl von Plebs (und die damit einhergehenden sozialen Probleme) zu kontrollieren.

Es gab nur wenige Idealisten unter den Tribunen. Einer davon war T. Sempronius Gracchus, dem es als Volkstribun gelang, die römische Republik so lange zu lähmen, bis seine äußerst umstrittene Landreform (den Reichen wegnehmen, den Armen geben) verabschiedet wurde. Und das, obwohl er sich gegen 9 weitere (teilweise gekaufte) Mit-Tribune und deren Vetorecht durchsetzen musste. Gracchus war einer der wenigen, der das Amt des Volkstribuns auch als solches verstand, nämlich als Vertreter der einfachen Bevölkerung Roms. Doch sein Einsatz brachte ihm kein Glück und er wurde erst diffamiert und anschließend auf der Volksversammlung von den Senatoren höchst selbst erschlagen.

 

Welche Möglichkeiten ergeben sich nun für das Rollenspiel (das nachfolgende ist nur als Anregung zu verstehen):

VOR DER WAHL

Für die zukünftigen Volksmagistrate: der Wahlkampf selbst. Entweder fair geführt, oder man kauft sich eben die Stimmen der Bürger. Wie, das bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

Im gleichen Maß werden sich auch die hohen Kasten einen Vertreter ihrer Wahl herausgucken und ihn natürlich entsprechend fördern wollen. Dann gibt es noch den eigentlichen Wahlkampf, mit vielen Versprechungen, Schmeicheleien und Drohungen. Und schon haben wir ein wunderbares Gerangel zwischen hohen und niederen Kasten, zwischen den einzelnen Häusern, den Kandidaten selbst, und Tasdron, der über dem Chaos thront.

NACH DER WAHL

Nach der Wahl ist wie immer auch vor der Wahl, das heisst die Volksmagistrate müssen sich beweisen und ihren Einfluss ausbauen und sichern. Veto können sie nur gemeinsam einlegen. Das verspricht natürlich eine Menge Zündstoff, da die hohen Kasten und vor allem die Ratsmitglieder aus hoher Kaste diese Einflussnahme auf keinen Fall dulden können und wollen – es sei denn es nutzt ihnen persönlich!

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