Pavidus/Daxus – Der kleine Rekrut und die Bürger der Stadt

Das Wasser des Vosk zog träge an ihm vorbei, das Licht der drei Monde ließ ihn silbrig schimmern.

So träge wie der Fluss wurden seine nächsten Tage nicht. Pavidus stand auf, ging im seichten Ufer auf und ab, stillsitzen war noch nie eine Tugend von ihm gewesen. Er schaut Richtung Stadt, sie lag halb im Dunkel. Nur an den Toren und da wo die reichen Leute wohnten breitete sich ein Schimmer von Licht aus.

Der Test war gut gelaufen, Lomerus gestattet ihm weiter als Rarius seine Runden zu drehen. Ungeachtet der Gefahr war das seine Chance auf Anerkennung der Mannschaft, dass er nicht mehr nur der kleine Schiffsjunge war.

Der Rekrut Daxus entsprach nicht im geringsten dem Aushängeschild der roten Kaste, klein von Wuchs, linkisch in der Bewegung durch das Richten des Gürtels und einem zu großen Helm der im ab und an ins Gesicht rutschte. Sicher nicht der Traum der Frauen vom starken gut aussehender Rarius. Die Blicke der Leute schauten teils amüsiert, teils stirnrunzelnd, die Sklavinnen kicherte immer wie Vulos rum und einige hochnäsige Frauen hatten Spott in der Stimme wenn sie über ihn sprachen.

Den anderen Wachen erzählte er die Geschichte vom jüngsten Sohn eines armen Kriegers der nun erst die Möglichkeit hatte in die Ausbildung zu kommen. Es interessierte ansonsten keinen der „Kameraden“ wer und ob dieser kleine Rekrut echt war oder nicht. Kein Vorgesetzter, nicht mal das neu ernannte Erste Schwert aus dem Haus Atticus, zitierte ihn zu sich. Auch die Begegnung mit dem Richter blieb ohne Folgen. Es lohnte sich also unter der Nase des Hauses Atticus verstecken zu spielen und er bewegte sich recht offen in der Stadt.

Als Rekrut Daxus, drehte er seine Runden Vormittags in der Unterstadt. Dort verscheuchte für die Frauen ab und an die Urts von den Gassen und plauderte mit den Männern über ihr Handwerk. Er lernte etliche der Bewohner kennen, hörte und sah ihre Nöte.

pavidus und die urt

Mit der Schneiderin geriet er öfter aneinander. Jene welche sich in kurzer Zeit in der Mittelstadt die teuren Räume leisten konnte. Manche Zungen munkelten, das wäre nicht mit rechten dingen zu gegangen. Lady wollte sie sein, aber hatte einen Wortschatz der immer wieder ihre wahre Herkunft aus einer einfachen Kaste verriet. Getreu einem armen Rekruten der auch nicht viel Sold bekommt handelte er überall die Preise runter oder leistete sich nur wenig. Die Schneiderin wollte ihm ein Essen spendieren, aber er hatte seinen Stolz sich nichts von einer Frau und schon gar nicht einer der unteren Kasten bezahlen zu lassen. Sie wollte ihn demütigen und warf mit Silbertarsk für Vuloschenkel um sich, worüber er nur lachen konnte und sie sitzen lies.

Der Wirt vom Schlüprigen Loch war ein Halsabschneider und Wucherer in seinen Augen.

Für einen Krug Paga zum mitnehmen (Paga to go) wollte er 50 Kupfer haben, wovon NUR 25 Kupfer als Pfand für den Tonkrug sein sollten. Wütend lies er den Kerl stehen. Reisende die nichts von diesen Wucherpreisen wussten, die gelangweilten Hochkastigen und reichen Händler besuchten die Taverne. Das einfache Volk versorgte sich anderweitig und mied die Taverne.

Interessant war dieser junge Kerl Scipio, ebenfalls ein Händler aber einer der besondere Dinge organisierte. Die Zeit auf der Herrin hatte doch was gebracht. Daxus roch es fast zu welchem Gewerbe er gehört. Grinsend trafen beide eine Übereinkunft, so von Gefallen zu Gefallen. Diese Art von Händler konnte einen Rarii der mal ein Auge zudrückte immer gebrauchen. Als er hörte wie Scipio wortgewandt mit der Schneiderin sprach schaute er ihn bewundernd an. Solche Wortschmeicheleien lagen Daxus nun wirklich nicht.

Für die Kameraden hatte Daxus immer was zu berichten. Wo schmale Gassen waren, tote Winkel zu den Wachen und die Information wer wo wohnte. Oder er bekam Aufträge nach bestimmten Materialien Ausschau zu halten die sie für die Reparatur benötigten.

pavidus und die gasse

Den einen Tag sah Daxus einen Mann mit schwarzen Mantel und Kapuze unten in der Stadt , folgte ihm bis zur Therme dann eilte er die Treppe hoch und genau in einen Krieger rein.

„Hey halt, jetzt mal nicht so schnell. „ wurde er da auch schon angerufen, etwas verwirrt sieht er zu dem Krieger, schiebt mit einer Hand den Helm zurecht. „Kamerad, hast du den Mann mit Kapuze gesehen?“ Misstrauisch war der Blick der ihn traf „Nein habe ich nicht, hat er denn was verbrochen?“

Das Schwert zurecht rückend versuchte Daxus Haltung anzunehmen. „Ich soll die Stadt kennenlernen und nach seltsamen Männern Ausschau halten. Also ich fand den Mann mit Kapuze schon recht seltsam.“ Der Krieger musterte Daxus von oben bis unten, wie sich herausstellte suchte auch dieser jemanden.

Im Laufe des Gesprächs verrutschte sein Helm wieder, das Ding war einfach zu groß. Die Sklavin die er dabei hatte fing schon an zu kichern. „Warum nimmst du den Helm nicht ab, wir sind ja nicht im Krieg.“ kam sogar der freundliche Hinweis vom Krieger. „Nein geht nicht mein Vorgesetzter ist streng und ich soll mich an das Ding gewöhnen. Ich hab noch viel zu lernen.“ In solchen Momenten war Daxus froh das er einen Vorgesetzten vorschieben konnte.

Und dann tauchte noch diese Sklavenhändlerin auf,  jene, der die Blonde gehört hatte. Nachdem sie Ben begrüßt hatte wendete sie sich direkt an ihn.“Tal Rarius. Ich bin Lucia Crispus.“

„Tal Lady. Daxus, Rekrut Daxus Lady.“ Bevor er sich irgendwie davon machen konnte fing die Frau an ihn auszufragen nach einem Mann den sie suchen ließ, schmächtig blonder Zauselschopf und grünes Hemdchen. Jener Mann den auch Ben suchte. So langsam wurde es Daxus unangenehm. Für einen kurzen Moment glaubte er, Lucia wüste wer er war aber das grüne Hemd passte eigentlich nur zu Lomerus.

Sie redete ohne Unterlass, was von dem Jungen der dem Ludus die Sklavin entwendet hatte, sie den Wert von den 3 Kupfer erhalten hätte und das nun erledigt war. Anderseits würde sie den Schmächtigen suchen um ihn zu beschützen vor dem Haus Atticus das ihn zerstückeln wollte.

Wie gut das der Helm sein Gesicht verdeckte. Stirn runzelnd hörte er sich das an, überall wurde neben den gebotenen 21 Silber über höheren Preisen erzählt und dann sollte die nur 3 Kupfer wert sein? Und warum sollte ausgerechnet der Ludus ihn beschützen wollen, war nicht der Ludus jener welcher ihn suchen ließ um das entwenden zu bestrafen?

Um ihr endlich zu entkommen bot er seine Hilfe an. „Lady ich soll nach seltsamen Männern Ausschau halten, da schaue ich auch nach eurem Mann. Schmächtig, grünes Hemd und zerzauste Haare? Richtig Lady?“

Lächelnd schaute sie ihn an. „Nein mein Gefährte ist sehr stattlich und sehr gepflegt und meist gekleidet in golddurchwirktem Brokat.“ Sie verwirrte ihn zunehmend.

Sprunghaft war sie außerdem, kaum das sie über den gesuchten geredet hatte, kam sie unvermittelt darauf ihn, Daxus den kleinen Rekruten als Wache haben zu wollen. Er, ausgerechnet er sollte vor dem Ludus Wache stehen, ein Rekrut kein ausgebildeter Krieger. Daxus lehnte dankend ab, behauptetet einfach sein Vorgesetzter sah das nicht gern um dann möglichst schnell wegzukommen. Die Frau war ihm nun wirklich nicht geheuer.

Am den Nachmittagen, zum Ende des Marktes wechselte er nur kurz in die Mittelstadt, hielt sich aber selten lange auf. Wenn es dämmerig wurde, erweiterte er seinen Kontrollgang in die Oberstadt. Schon oft hatte er die Villa des obersten Händlers beobachtet, aber Callista dort nie gesehen.

An einem Abend traf er sie endlich auf der Curia. Als Rekrut hatte er es leichter sie nach Hause zu begleiten. Sie war höflich gegenüber dem jungen Rekruten und in seinen Augen sah sie verdammt hübsch aus.

Nur was nun? Traue keinem, traue keinem, traue… die Worte betete er sich in letzter Zeit fast vor. Sie hatte etwas an sich das ihn anzog, aber konnte er Callista trauen?

Eigentlich war es Zeit das er wieder ging, unschlüssig stand er vor ihr, im Schein der Lichtes vor der Tür. Noch hatte sie nicht öffnen lassen, blickte ihn verwundert an. Daxus legte seine Hände an den Helm, zögerte einen Moment bevor er ihn dann vom Kopf nahm. „Ich bin es der Pavidus.“ würde sie ihn verraten, die Wachen rufen? Gespannt schaute er sie an.

„Was ist mit deinen Haaren?“ war jedoch die erste Frage statt eines Hilferufes. Die Haare mussten schrecklich aussehen, so entsetzt wie Callista hinschaute.

Callista geheimnis Kopie

Verlegen strich sich Pavidus durch das mit Kohle abgedunkeltes strubbelige Haar. „Ähm also nichts, nun ja irgendwie werde ich gesucht und musste mich verbergen. Mein Kamerad ist nicht besonders geschickt beim Haareschneiden. Aber die wachsen nach wenn ich so lange überlebe.“

Zweifelnd schaut ihn Callista an „Ja, aber als Rekrut ist das nicht zu gefährlich?“ Er grinst sie an „Ich hab schon Ärger genug da kommt es auf den auch nicht mehr an.“ jedoch nicht ganz überzeugend.

Callistas Blick wanderte zu den Wachen an der Treppe zur Curia, bevor sie ihn wieder ansah.

„Ich müsste die Wache rufen.“ sagte sie leise. „Ja, müsstest du.“ Aus dem Haus drangen Geräusche eine Sklavin machte sich dran die Tür zu öffnen. Hastig setzte er den Helm wieder auf. Leise kamen ihre Worte „Pass auf dich auf.“ „Werde ich.“ flüsterte er genauso leise zurück um dann im halbdunklen der Gassen Richtung Curia zu verschwinden.

Immer noch im Wasser stehend starrte Pavidus vor sich her. Nach diesem kurzen Moment dort vor der Tür, ohne das sie viel sagen konnten, wusste er, dass er Callista vertrauen konnte. Ein seltenes Geschenkt. Und er hatte ein Versprechen ihr gegenüber gebrochen. Er konnte ihr bisher nicht die Schiffe zeigen und nun war er aufgeflogen…

((ein Beitrag von Pavidus))

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