Blutrotes Wasser und Verletzte auf der Tribüne – Liebesfest Teil I

Vega schnappte die Stimme irgendwo aus der Zuschauermenge neben der Tribüne auf. “Wer hat der einen Bogen gegeben?!” Besorgt verengte sie die Augen und sah aufs Wasser hinaus.

Man hatte zwei Männer und eine Frau aus den Verliesen von Victoria zu den Flößen gebracht und mit Schwertern und Speeren ausgestattet, damit sie sich ein wenig gegen die vom Blutgeruch rasenden Flussbestien zur Wehr setzen konnten, bevor die Natur ihr Recht forderte und die Verbrecher und Gesetzlosen zwischen den Zähne der Tiere zerrieben und in den Fluten untergehen würden.

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Aber die Stimme neben ihr hatte Recht. Die Frau, Gerüchten zufolge eine Mamba tief aus den Wäldern von Schendi, hatte einen Bogen in der Hand. Vega schätzte grob die Reichweite ab, die der Bogen haben mochte und kam zu dem Schluss, dass es besser war keine Panik aufkommen zu lassen. Neben der Wilden, der man zur Feier des Tages und weil sie so einen noch wilderen Eindruck machte, erlaubt hatte sich ihre Körperbemalung aufzutragen, befanden sich auf den Floßen noch zwei Männer, auf die der Pfahl gewartet hätte, wenn sie dem Kampf um ihre Freiheit nicht zugestimmt hätten.

“Sicher konnte sie kein Schwert heben!”, scherzte Vega und versuchte dann den Gedanken an die Gefahr von sich zu schieben und die Spiele zu genießen. Tasdron hatte sie heute mit den Ansagen beauftragt, während er selbst vore in der ersten Reihe saß und sich entspannt dem Vergnügen hingab. Einen Flussleen und ein ungezähmtes Vosktharlarion zogen ihre Bahnen im Wasser. Sie kamen in ihrer Blutgier sogar recht nah an die Tribüne heran, was den Zuschauern aufgeregte Laute entlockte, die wie eine Melodie der schaurigen Faszination wellengleich über die Kaimauern lief.

Die Stimmung war gut. Nur Vega sah sich besorgt nach Timaios um, der nach dem Wettbewerb der freien Frauen vor der Taverne nicht mehr an ihrer Seite aufgetaucht war. In dem Moment als sie den Rock so weit hochgeschlagen hatte, dass man die Rundung ihres Hinterns sehen konnte, hatte er sie erkannt und sein Blick war derart zornig gewesen, dass Vega nach der zweiten Runde still und heimlich den Wettbewerb verlassen und nach Hause gerannt war um zu sich umzuziehen. Die Maske hatte sie unterwegs einfach ins Gebüsch geworfen. Viele Frauen hatten am Wettbewerb teilgenommen, hatten die Gunst der Stunde und den Schutz der Masken genutzt, um einmal das Gefühl zu erleben wie es war von Männer angeschaut und beurteilt zu werden wie eine Sklavin. Vega war erregt gewesen und hatte es genossen. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als sie hinter ihrer Maske in den Augen von Timaios den Moment der Erkenntnis wahrnahm. Dann war die Erregung der Angst vor den Konsequenzen gewichen.

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Nun saß sie hier allein und machte gute Miene trotz ihrer Sorgen. Die Bestien zogen ihre Kreise nun enger um die Flöße und bald darauf folgte die erste Attacke. Obwohl sich der dunkelhäutige Mann namens Khader zu wehren versuchte und dem Vosktharlarion einige Kerben beibringen konnte, brachte ein Stoß des Giganten gegen das Floß ihn aus dem Gleichgewicht und er stürzte ins Wasser. Ein sensationslüsterner Schrei von der Zuschauertribüne war zu vernehmen, als er in die Tiefe gerissen wurde und nichts zurückblieb als blutrotes Wasser. Auf dem zweiten Floß brach nun ein Gerangel aus, offenbar versuchte der Mann die Mamba vom Floß zu stoßen um Ablenkung und Zeit zu gewinnen. Aber er hatte die Rechnung ohne die Wilde gemacht, ohne mit der Wimper zu zucken, stach sie mit einem Dolch auf ihn ein und ging dann wieder in die Hocke, nachdem sie ihn vom Floß geworfen hatte. Die Menge jolte beim Anblick der bemalten, halbnackten Frau, die sich ihres Mitkämpfers entledigt hatte. Selbst Vega musste anerkennend grinsen. Solch einen Überlebenswillen sah man selten. Die meisten urinierten schon vor Angst in ihre Kleider, wenn man sie aus den Kerkern holte.

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Die bemalte kleine Furie kämpfte bestiengleich und überzog die beiden bereits angeschlagenen, aber deshalb nur umso rasenderen Tiere mit einm Pfeilregen, bis zumindest das Vosktharlarion sogar abtauchen musste. Vega konnte es nicht fassen. Würde es der Kämpferin gelingen das Spektakel tatsächlich zu überleben und in die Freiheit zu gelangen? Lucius, der vorn neben Tasdron saß, lachte lauthals und sagte, dass sie sicher eine wundervolle Gespielin abgeben würde – eigentlich sei es doch zu schade sie zu verfüttern.

Die Frau stand nun aufrecht auf dem Floß. Vega vermochte nicht zu sagen, ob sie die Bemerkung von Lucius gehört hatte, aber mit einem Mal brach Panik auf der Tribüne aus und das surrende Geräusch von Pfeilen drang im gleichen Moment an ihr Ohr wie sie den Schmerz empfand. Ein Brennen von glühender Hitze und reflexartig griff sie sich an den Arm und fühlte das warme Blut an ihren Fingern.

Beschuss! Die Wilde hatte die Tribüne unter Beschuss genommen! Vega sprang auf und sah noch im Augenwinkel, wie sich Menschen um Lucius kümmerten, dem ein Pfeil in seinem Arm steckte. Die Bühne leerte sich nun schlagartig und Panik brach aus. Kaum jemand auf den teuren Plätzen bekam noch mit, dass der Beschuss der Tribüne die drahtige und wehrhafte Wilde nun ihr Leben kostete. Sie sprang ins Wasser, nur noch das Schwert in Händen, weil der Köcher nun vermutlich leer war und hier holte sich der Flusssleen seine Beute, die verzweifelt versuchte an Land zu kommen und in die Freiheit zu fliehen. Von den unteren Rängen drangen die Jubellaute wie durch dichten Nebel an Vega heran. Offenbar hatte der Sleen die Frau in Stück gerissen und diese trieben nun in Einzelteilen im Hafenbecken.

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OOC

heute Abend, Sonntag ab 19.00 Uhr im Victoria am Vosk, das Liebesfest Teil II

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