„Wenn die Priesterkönige uns strafen wollen, erhören sie unsere Gebete“

„Wenn die Priesterkönige uns strafen wollen, erhören sie unsere Gebete“

Das Gebell der Glocken und das Geschrei der Hörner weckte mich um Mitternacht. Das erste was ich sah waren die Fackeln, welche sich wie das Hochwasser des Vosks langsam seinen Weg in die Stadt bahnte. Hell war die Unterstadt erleuchtet. Schatten huschten durch die Gassen und immer mehr Männer und Frauen versammelten sich auf dem Marktplatz. Verzerrte wütende Fratzen des Mobs, die sich zum Kampf stellten. Zum Kampf gegen die althergebrachte Ordnung. Zum Kampf gegen das Gesetz. Ich sah eine kleine Gruppe mutiger Krieger, welche eine Frau unter dem Schutz ihrer Schilde zur abgesicherten Oberstadt bringen wollten. Sie hoffte auf Sicherheit wie viele Anderen auch.
Der erste Stein traf ein Schild. Der zweite traf sie an der Schläfe. Viele weitere der einfachen Geschosse folgten. Und das Pflaster des Marktes diente als Depot weiterer Salven. Schließlich folgten Äxte Schaufeln und Spieße. Stahl blitzte im Schein der Fackeln auf. Pfeile zischten durch die schwarze Nacht und mischte sich mit dem Funkenschlag der brennenden Häuser.
Nach nicht einmal einer Ahn war der Markt mit Blut und Tränen getränkt. Mit Blut von Bürgern, mit Tränen von Brüdern und Schwestern. Tasdron scharrte eine handvoll Männer um sich. Einige würden behaupten, dass er versuchen wollte zum Hafen zu fliehen. Einige würden behaupten, dass er einen Ausfall anführen wollte um den Aufstand von der Flanke her nieder zu schlagen. Doch die es wissen, werden es uns niemals sagen, denn ihr Wissen ist in ihren toten Leibern auf alle Zeit verschlossen.

Ja! Wir konnten den Aufstand niederschlagen. Doch unser Preis war hoch. Einige würden sagen zu hoch.
Es musste ein Exempel statuiert werden. Und so befahl ich die Leichen an den kommenden Tagen liegen gelassen. Sollte ihr Anblick jeden neu aufkeimenden Widerstand ersticken.
Es war nicht zu erkennen, wer auf welche Seite stand. Wer sich erhob und wer verteidigte. Wer Vater und Sohn war, wer Bruder und Schwester. Wir konnten nicht einmal sagen wer den Aufstand anzettelte. Einige nannten ihn Spinne. Einige meinten es sei der Schmied gewesen, einige sagten es sei ein Seemann gewesen, dessen Worte die Stadt in das Unglück stürzte. Wir wissen nicht einmal ob diese Spinne noch unter den Lebenden weilt. Wir wissen aber mit Sicherheit, dass Tasdron dies nicht mehr tut.

Die Tage und Nächte verronnen wie im Flug. Zur Beerdigung Tasdrons des Mächtigen, des Gerechten, unseren toten Herrschers, erlaubte ich es, die Gefallenen des Aufstandes den Flammen zu übergeben. Eine Geste der Großzügigkeit um die Bürger zu beschwichtigen. Ich hätte ein Uberat ausrufen sollen in der Stunde der Not. Doch vielleicht wäre dies der Funke gewesen, welcher erneut Flammen und Tod über Stadt und Bürger gebracht hätte.
Lomerus der Heiler hielt die Totenrede. Ihm vertrauten die Bürger der Unterstadt. Hatte er sich doch einen Namen in der Unterstadt durch kostenlose Behandlungen und anderen Hilfen gemacht. Vielleicht hatte er die Zeichen des Aufstandes kommen sehen. Doch er wandte sich nie an mich oder an den Rat. Er schwieg. Vielleicht kostete sein Schweigen vielen das Leben.

Die bald einberufene Ratsversammlung brachte nicht viel Neues. Viele der Magistrate waren geflohen oder starben mit ihren Familien während des Aufstandes. Der Rat beschloss Lomerus zum Magistraten zu ernennen. Chaos war schon immer eine Leiter auf der man aufsteigen konnte. Und es war ein kluger Zug ihn zu benennen. Das würde das Volk beruhigen, denn sie sahen nun einen von sich als vollwertiges Mitglied Rat, neben Corvus dem Wirt, welchem man das selbe Privileg schon im Vorfeld zusprach. Schon bald würden die einfachen Leute sie mit anderen Augen sehen. Augen die sie nun noch mit Hoffnung ansehen, werden sie vielleicht schon bald mit Wut ansehen, wenn sich nichts an ihrem Schicksal ändert. Ich werde alles daran setzen, dass sich nichts für sie ändert. Denn Männer denken erst an Politik, wenn sie nicht mehr an das Überleben denken müssen.
Die Gesellschaft braucht die Ordnung. Die Gesellschaft braucht die oberen und die unteren Kasten. Und sie braucht jeden an seinen vorherbestimmten Platz.

Ich hoffe mein Vater und mein Onkel werden das genau so sehen. Hatte ich schon von Apios dem ersten Schwert unserer Hauswachen gehört, dass beide auf dem Weg nach Victoria waren. Meine Freude hielt sich in Grenzen als ich meinen Vater sah. Und ich erinnerte mich an meine Jugend. Wie oft stand ich vor ihm und er überhäufte mich mit Schuld und Vorwürfen. Wie oft spürte ich den Dolch der Reue und das Gefühl versagt zu haben unter seinen hellen kalten Augen.
Noch haben mir weder mein Onkel, noch mein Vater ihre Pläne verraten, doch ich weiß, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie von ihrem Recht gebrauch machen. Sie mir im Namen der Familie das Amt des Magistrats und des Ädils nehmen. Chaos ist eine Leiter in der manche aufsteigen und andere herab. Doch was bleibt ist die Familie und das Motto unserer Familie ist: memento bellum, denn der Krieg verändert alles. Der Krieg bringt Ruhm und lässt uns ewig leben.

 

von Arreconius Viridis (Charon Swords)

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