Besorgungen

Schild

Heute zwitscherten die Vögel im warmen Sonnenschein des kleinen Gartens und sein Stuhlgang war aufgrund des ungewohnt guten Essens fest und geschmeidig – es versprach fürwahr ein schöner Tag zu werden. Als er den großen Marktplatz im Herzen der Stadt betrat spürte er schon wie sich in der Hitze unter seiner dicken Lederprunkrüstung frischer Schweiß bildete, sich zu größeren Tropfen zusammenschloss und in kleinen, warmen Rinnsalen seinen Rücken hinunter rann.
Er wollte sich gerade dem Badehaus zuwenden als ein kleines Schild seine Aufmerksamkeit fesselte. Er trat näher und seine Augen glitten langsam über die Schriftzeichen, unhörbar formte sein Mund die dazugehörigen Silben und je weiter er kam desto belustigter blitzten seine Augen. Trocken lachte er auf als er fertig war: “Dinge gibt’s.. zumindest haben sie ihren Humor nicht verloren.”
Keine drei Atemzüge später trat auch schon der dazugehörende Schreiber aus dem Hause, sichtlich irritiert durch die unverhoffte Wirkung seines Werkes. Lucius kniff die Augen ein wenig zusammen um den groß gewachsenen jungen Mann besser zu betrachten – ja, schmuck sah er aus, nette blaue Klamotten, hübsches, narbenfreies Gesicht – so fern der Schlachten, die er gewohnt war. Kein Wunder dass er so weltfremd schrieb.
Aber praktisch dass er auf einen Angehörigen der schreibenden Zunft gestoßen war, wollte er doch… ja… hatte er es doch vermutet, die mit wichtigen Verträgen betrauten Schreiber behielten eine Kopie des Schreibstückes bei sich zuhause. Sehr praktisch. Und der Onkel dieses Schreiberlings hatte sich wohl auf Gefährtenschaftsverträge spezialisiert.
Mit einem Grinsen erkundigte sich der Schriftgelehrte plötzlich: “Wer ist denn die Glückliche, wenn man fragen darf?”
Nichts anmerken lassen, nicht lügen… die Gewässer wurden unsicherer: “Die Dame für die ich mich interessiere befindet sich bereits in den Fängen eines solchen Vertrages…” sagte er beiläufig.
Die Worte verfehlten ihre Wirkung nicht, aber die Rückfrage ließ ihn nachdenken: “Ihr wollt wohl diesen Vertrag lösen, wenn ich euch recht verstehe?”
Sehr gute Frage. “Ich habe mich noch nicht entschieden. Erst wenn ich die Fakten kenne. Man sollte keine voreiligen Entscheidungen treffen.” antwortete er wieder vage.
Plötzlich hörte er Schritte neben sich. Seine Rechte war schon fest um den Griff des Gladius geschlungen als er sich abrupt umdrehte – nur um seinem eigenem Sprössling ins Gesicht zu blicken.
Schneller Themenwechsel: “Ihr wisst schon dass wir Krieger unseren Zoll für die Stadt in Blut und nicht in Gold zahlen, Schreiber?” und eine lange Diskussion folgte. Völlig unnötig, seiner Meinung nach. War es nicht die alte, wohl bewährte Ordnung das jede Kaste tat was sie am besten konnte? Die Händler mehrten den Wohlstand der Stadt, die Schreiber verwalteten ihn und die Krieger schützen sie.
Mit Arreconius Mithilfe konnten sie sich aber schnell einigen. Lucius würde sein Geld in den Wiederaufbau der Stadtverteidigung investieren, direkt in den Erwerb neuer Waffen, die Besoldung neuer Männer und in das dazugehörige Waffentraining – etwas was er ohnehin schon seit längerer Zeit plante. Dafür würde dieser emsige Bürokrat über alles eine ordentliche Abrechnung erhalten und konnte diese Kosten seinerseits bei den Stadtausgaben vermerken und damit redlich seinen Auftrag erfüllen.
Ein wenig kompliziert, aber so konnte er zumindest sichergehen dass bei den Militärausgaben nicht gespart wurde, ein Fehler den zu Sparwillige viel zu schnell begingen. Ein vor der Nasenspitze der roten Kaste weggemeuchelter Administrator genügte ihm persönlich, es sollte sich nicht zu einem Volkssport entwickeln.
Schnell waren sein Sohn und er in ein Fachgespräch über die nötigen Schritte verwickelt, was der Schreiber zum Anlass nahm wieder nach drinnen zu fliehen. Arreconius hatte interessante Ideen, aber sie waren so in der Stadt nicht ohne weiteres umsetzbar. Wichtiger als alles andere war es derzeit die Gemüter zu beruhigen, die Schrecken des Aufstandes zu bewältigen und wieder Fuß zu fassen. Ein Schritt nach dem anderen. Aber es würde nicht schaden bei der nächsten Ratsversammlung einen dem allgemeinen Frieden nützenden Vorschlag zu unterbreiten.

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2 comments

  1. Netter beitrag bis auf zwei kleinigkeiten, dillus hat sogar ne große narbe im gesicht und auf gefährtenschaften ist dillus onkel nicht spezialisiert er kennt sich verscheinlich nur etwas besser aus 😛

    1. Es freut mich, dass mein kleiner Bericht über meine Geschäfte dir gefällt.

      Aber da ich mir selber unsicher war hatte ich sogar vorher extra noch einen Blick auf die Bilder in eurem Blog geworfen. Ihr arbeitet da doch nicht etwa mit Weichzeichnern, hrrm?

      Und ich verstehe im Rollenspiel absichtlich mal ein paar Sachen falsch, Glaube und Meinung meines Chars muß auch nicht zwingend meine eigene sein. Kann aber.

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