Wasser und Wein

Am Vortag vor der Ratssitzung ließ er sich von seinem Sohn und dessen Gefährtin auf einen Wein beim Marktplatz einladen. Deren Vorfreude wurde sichtlich getrübt als sich Arreconius fast sofort in einem bildgewaltigem Geplänkel mit einem Grünkastigen namens Lomerus einließ. Nichts was sich nicht mit ein paar Worten zu einem gesitteten Tischgespräch abmildern ließe, wenn auch zum Leidwesen der bis dahin sichtlich amüsierten Passanten.
Die ganze Vorgeschichte war bizarr genug, alleine schon der Gedanke an ohne medizinische Gründe enthauptende Ärzte wollte ihm nicht in den Kopf. So wendete er sich lieber wichtigeren Themen zu, dem vorsichtigen Abtastens der politischen Möglichkeiten, immerhin saß der Kerl als Volksmagistrat im Rat.
Und siehe da, der Mann schien für seine Vorschläge durchaus offen zu sein – jetzt galt es nur noch dafür zu sorgen dass auch die anderen Ratsmitglieder sich diesem anschlossen. Aber daran zweifelte er nicht, war er doch Widerspruch nicht gewohnt. Woher auch?

Nach und nach leerten sich die Krüge und das Lokal, bis nur noch sein Sprössling und er über die Zukunft Victorias diskutierten. Wie ungestüm sein Sohn doch war, wie ungeduldig er sofort lospreschen wollte – war er in seiner Jugend genauso gewesen? Wahrscheinlich. Aber war es immer die beste Taktik? Bei einigen Sachen war ein schnelles Vorgehen unausweichlich, sie benötigten dringend einen Schuldigen am Morde Tasdrons.
Was die Politik anging.. sie benötigte Zeit, geschicktes Taktieren, Voraussicht. War das wirklich eine Schwäche wenn daraus etwas wesentlich Stärkeres herausging? Es sollten erstmal die normalen Werkzeuge der Politik getestet werden bevor man nach einem Ubar schrie.

Zu seinem Unmut wurde die Ratssitzung am Tag darauf um zwei Wochen verschoben. Anscheinend hatte der Baumeister seinen Stuhl aufgegeben, welches zu einigen Unruhen führte.
Immerhin lernte er vor der Curia noch einen fremden Hauptmann aus Capua namens Titus Domitius kennen. Dieser ließ sich tatsächlich für Kost und Logis anwerben, was der doch eher knapp bemessenen Militärkasse sehr entgegen kam. Seine Familie würde schon eine geeignete Unterkunft für den Rarius und die seinen finden, bis dahin zahlte er natürlich die Rechnung des Gasthauses. Selbstverständlich mit Kopie an Dillus.
Der Mann würde gute Dienste als Anführer der Stadtwache leisten, war er im Gegensatz zu den ansässigen Roten nicht bei der Niederschlagung der Aufstände involviert gewesen und daher nicht mit Vorurteilen beladen. Vielleicht fand er auch ein wenig mehr heraus, hatte er ja bereits erste Freundschaften in der Stadt geschlossen.

neuerhauptmann

Den restlichen Abend nutzte er für einen Besuch bei den lieben Nachbarn. Tiros Baratheus empfing ihn lautstark und lud ihn auf einen Wein in den Garten ein. Das sich daraus entwickelnde Gespräch war überaus aufschlussreich, auch wenn es zahlreiche neue Fragen aufwarf. Aber er wusste jetzt wie er weiter vorgehen würde und auch wenn er nun in der Schuld des Schreibers stand hatte er trotzdem das Gefühl, einen möglichen Freund gefunden zu haben.

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