Pavidus: Blick in die Vergangenheit und die Zukunft

Heute hatte Pavidus Zeit sich die Reste vom Ludus anzusehen. Als er durch das Tor trat fiel sein Blick auf die abgebrannten oberen Räume, die Balustrade der Galerie wo Lucia so oft stand.
Vorsichtig stieg er über eine zerbrochene Säule, die gerissene Umrandung des Wasserbecken. Eine der roten Blüten, welche Tiberia so liebte, lugte zwischen Trümmern hervor.
Seine Schritte lenkte er durch die zerborstene Holztür vom Arbeitsraum zur Treppe. Er schaute den Sklaven zu, die dabei waren den Schutt von der Treppe wegzuräumen. Schweigend stand er da, die unsicheren Blicke der Sklaven nicht beachtend bis ein schmaler Bereich frei war. Pavidus wies sie an oben zu warten, scheuchte einen davon der ihn neugierig anstarrte. Er wollte alleine sein wenn er da runter ging. Stufe für Stufe stieg er hinab, an den zerborstenen Waffenhalterungen vorbei. Keine der Waffen oder Schilde war zu sehen, alles von dem wütendem Mob oder den Gladiatoren mitgenommen.
Überall blitzten Bilder vor seinem Auge auf. Im Gang zu den Zellen die Schatten der Gladiatoren, beim Küchenbereich die löffel schwingende Topfsklavin, im Badebereich wie sie nach dem Üben ihre geschundenen Körper entspannten.

Aber jetzt war das Wasser dunkel vom Blut, er konnte Körper darin sehen, tote Körper, es stank fürchterlich das es ihn würgte. Laut rief er nach oben und wies die Sklaven an die Leichen wegzubringen.
Pavidus fuhr herum als hinter ihm Metall auf Stein schlug. Einer der Sklaven war an eine Gittertür gestoßen. Er starrte auf die Zelle, ging die wenigen Schritte strich mit der Hand über das Eisen der Tür, den kalten Stein der Wand. Heute war es anders, es machte ihm nicht die Angst wie damals, nein dafür war inzwischen zu viel passiert. Aber es war unauslöschbar in seine Erinnerung eingebrannt.

………. damals als er erwischt wurde.

Klonk !!! Das metallene Scheppern des Gitters das hinter ihm ins Schloss fiel ging ihm durch Mark und Bein.

Kälte herrschte in dem Raum, grauer kalter Stein über den das flackernden Licht vom Gang schattenhaft entlang strich. Langsam drehte er sich um, starrte durch die Gitter. Seine Hände umfassten die Stäbe, lehnte den Kopf gegen das kalte Metall.
Vorbei, gefasst, zu hoch gespielt, Tot, Hoffnung … seine Gedanken und Gefühle wirbelten gleich Stromschnellen durcheinander.

Sie hatten ihn geschnappt, diese verhassten Roten. Er war zu leichtsinnig gewesen es noch so lange hinaus zu zögern. Wollte er am frühen Morgen gleich los und sich andere Sachen besorgen um erneut unterzutauchen, stand er doch am Haupttor um nicht von dem Hauptmann gemeldet zu werden.

Sein Glück war, dass er zwischen Hafen und Tor patrouillieren durfte. Erneut wollte er nun untertauchen. Aber das Treffen mit Fauna und den Kameraden kam dazwischen und zu viele unliebsame Lauscher die dort herumlungerten. Als Rekrut konnte er diese Gestalten leicht vom Schiff fernhalten. Die Zeit rann dahin, noch ein Gefallen, Fauna nach Hause zu begleiten, dann wurde es endlich Zeit und er eilte Richtung Hafen.

Musste ihm ausgerechnet Ben in dem Moment über den Weg laufen?

„Hey du Daxus, warte mal. „ wurde er von Ben angerufen.
Ohne anzuhalten drehte Daxus sich nur um „Ich habe keine Zeit, muss zurück.“ rief er ihm zu.
Ben ließ sich jedoch nicht abwimmeln. Er kam mit großen Schritten hinterher. „Ich soll dich zum Ersten Schwert bringen, also bleib schon stehen und komm mit.“ Daxus blieb bei diesen Worten wirklich stehen, einen Moment brauchte er um das zu verdauen. Dann ging er in Gedanken die Wege und Gassen durch die ihm offenstanden. Die Gasse entlang der Therme war ihm durch Ben versperrt, aber etwas weiter unten konnte er rechts zum Sleengehege entkommen. Das Ziel vor Augen ging er weiter, schaffte es sogar mit Ben zu plaudern „Das erste Schwert? Was soll ich denn bei ihm?“

„Er möchte mit dir reden, was weiß ich. Ich soll dich nur zu ihm bringen.“ Zeit schinden, der Gasse immer näher kommend ging Daxus weiter. Kurz vor seinem Ziel, er wollte schon zum Endspurt ansetzten hielt ihn Ben am Arm fest. „Hör zu, ich soll dich zu ihm bringen also mache ich das jetzt auch. Und wenn du dich weigerst muss ich dich mit dem Schwert zwingen.“ Ben hörte sich mittlerweile sehr ernst und ärgerlich an. Seine Hand wanderte an den Schwertgriff.

Gezwungen stehen zu bleiben bemerkte Daxus nicht das sich das Tor öffnete, noch ein Krieger die Gasse hochkam bis dieser vor ihm stand. Das erste Schwert Valerius Atticus.
Es dauerte nicht lange und bohrende Fragen von Valerius prasselten auf Pavidus ein, welchen er nicht standhalten konnte. Frechheit siegte hier nicht, er wurde entlarvt, hatte verloren und keine Möglichkeit zu entkommen.
Die Ehre der Kaste wäre verletzt, beschmutzt und Valerius hätte das Recht ihn auf der Stelle das Schwert in den Leib zu stoßen. Aber nach geflüsterten Worten von Ben brachten Sie ihn zum Ludus.

Das lachen der Gladiatoren ließ Pavidus hoch sehen. Es waren große kräftige und starke Männer. Sie gebaren sich als wenn ihnen nichts und niemand was anhaben konnte. Sie lebten um zu töten.
Und einer von diesen Gladiatoren würde ihn töten. Gefangen, abgeschoben und Verurteilt zum Tot durch das Schwert eines Gladiators. Das war das Urteil welches Valerius fällte als er Pavidus vor dem Ludus abgab.

Eine Gnade, eine Ehre war es im Sand der Arena zu sterben, höhnten Sie. Es sollte eine Belustigung werden für die roten und für das Volk.

Pavidus schaute in den Gang, dass Lachen der Gladiatoren war verstummt. Einige waren tot wenn nicht sogar alle, nicht im Sand der Arena, nicht mit Ehre, sondern gestorben im Schmutz der Stadt.
Er lachte auf, unheimlich hörte es sich an. Er, der Winzling der schmächtige Bengel, jener der zum Tote verurteilt hier her gebracht war. Ja er hatte überlebt, bisher länger als die Gladiatoren die sich alle für so stark und unbesiegbar gehalten hatten. Länger als manch einer der verhassten Roten.
Die Sklaven schauten ihn furchtsam an als er aufrecht, laut lachend im Gang stand.
Pavidus drehte ich um, schaute die unfreien Männer vor ihm an. Bei den Priesterkönigen er hatte so verdammt viel Glück gehabt bisher. „Geht hoch und macht dort weiter.“ ruhig, selbstsicher war seine Stimme und ohne zu Murren gehorchten sie.
Pavidus folgte ihnen langsam, lenkte seine Schritte hoch zur Übungsarena, zum heiligen Sand der nun nicht mehr nur vom Blut der Gladiatoren getränkt war sondern auch vom Blut freier Bürger Victorias.
Er ließ etwas Sand durch seine Hand rieseln so wie beim ersten mal
………………………damals als er hier seine ersten Prügel einsteckte.

Schon am nächsten Tag wurde er einem Gladiator zugeteilt der ihn testen sollte. Ganz so ungeübt war Pavidus nicht, er hatte auf dem Schiff gelernt mit Messer und Axt umzugehen. Aber das hier war was anderes. Das Übungsschwert von Vedius prasselte stetig auf seinen Körper bis er erschöpft mit hängenden Armen stehen blieb. Jeden Tag wurde er mehr oder weniger durch die Arena gescheucht, sein Körper war voller blauer Flecken, ständig lag er im Sand der zwischen den Zähnen knirschte. Immer wieder wurde er korrigiert: „Schild hoch, Schwert runter, zustoßen, nicht so langsam, beweg gefälligst deinen kleinen Arsch.“ Aber er bekam auch Muskeln, wurde kraftvoller und seine Wenigkeit kam ihm so nach und nach zum Vorteil bis er eines Tages das erste mal Vedius den Sand fressen ließ. Sein Grinsen war so breit und zufrieden das er die Aufmerksamkeit vergaß und im selben Moment wieder im Sand lag. Lachend reichte Vedius ihm die Hand. „Du wirst besser Kleiner.“ stolz machte sich in Pavidus breit, er hatte sich so langsam den Respekt der Gladiatoren erkämpft.

Seinem Hass auf die Roten tat das aber keinen Abbruch. Wenn er alleine in seiner Zelle hockte kam er immer wieder hoch. Vor allem nachdem er von Lucia noch so einiges erfahren hatte.
Pavidus hasste diese Scheinheiligkeit der Roten. Er hatte einen Fehler gemacht und bezahlte dafür mit seinem Leben. Nur die Roten standen mit ihrer verdammten Ehre über allem.

Einer der Ihren hatte das Gesetz gebrochen, selber gegrölt das er fremdes Eigentum kaufte und es ihm egal war ob es rechtens war oder nicht. Das die Roten es vertuschten und einen Heimsteinfremden als Opfer jagten, ließ Pavidus wütend werden. Noch wütender, dass viele in der Stadt es wussten und sie schwiegen. Keine Fragen, keine Gnade, nur Tod.

Der Sand rann zwischen seinen Fingern, er wischte den Rest ab der an seiner Hand klebte, richtete sich auf. Seine Hoffnung hatte er damals von denen genährt die an ihn glaubten.
Mit jedem Schritt aus dem Ludus dachte er an seine Helfer.
Seine Kameraden welche versuchten ihn da rauszuholen, auch wenn er von dem Plan an sich nichts wusste. Welche ihm Mut und Zuversicht gegeben hatten das er er schaffen würde.
Lucia, mit Misstrauen am Anfang fand er in ihr eine Helferin die Zeit im Ludus zu überstehen, sich zu beweisen. Eine Fürsprecherin, die ihrem Gefährten seine Freiheit schmackhaft machte, als Erfolg des Ludus.
Callista, wie sie sich in den Ludus geschlichen hatte um ihm zu helfen. Sie war ihm wie ein Sonnenstrahl in der Dunkelheit erschienen. Auch wenn ihr Plan ihn entsetze so begab sie sich in Gefahr für ihn.

Sie alle gaben ihm die Zuversicht ……………….
………………….. damals er er in der Arena um sein Leben kämpfte.

Das Warten hatte ihn nervös gemacht, aber dann gab es kein Zurück, das Tor öffnetet sich vor ihm eine Woge von lärmenden Bürger traf ihn wie eine Wucht.
Pavidus stolperte in die Arena, zögerlich ging er bis in die Mitte wie man es ihm gesagt hatte, sein Blick fiel auf seinen Gegner. Decius verhöhnte ihn, strich um Pavidus wie ein Larl der auf Beute aus war, ging ohne Warnung auf ihn los.
Pavidus Unsicherheit machten es Decius leicht die ersten Treffer zu landen. Aber irgendwann kam der Moment wo die ganze Nervosität von ihm abfiel, er nichts mehr um sich herum hörte.
Leben, ich will Leben war alles war er an Gedanken noch zuließ und dafür würde er kämpfen.

Nur noch der Sand unter seinen Füssen, der Blick auf Decius, das Gewicht und trügerische Schutz des Schildes, das Heft seines Schwertes existierten für Pavidus.
Sie umrundeten sich erneut, teilen ihre Schläge aus, es blieb keine Zeit zum Wundern wenn Pavidus nun auch traf. Die Schläge von Decius waren kraftvoll und schmerzhaft.
Dann der Aufschrei der Menge, er drang bis zu ihm durch. Getroffen! Er hatte Decius so getroffen das er eine Chance hatte.

Kurz schloss Pavidus die Augen, die Aquilla tauchte vor ihm auf, ihre Bewegung die er gelernt hatte auszugleichen.
„Du bist klein und flink. Sei du selber. Kraft alleine macht nicht den Sieg.“ die Worte von Lucia und Lomerus und seine Erinnerung beflügelten ihn. Fast einem Tanz gleich begann er sich zu bewegen, umtänzelte Decius, duckte sich, drehte sich, führte den Schwung über seinen Schwertarm und Traf!

Gebeugt, aufmerksam und wachsam blieb Pavidus Blick an Decius hängen, jederzeit bereit auf einen Angriff zu reagieren. Die Menge tobte, die Rufe waren für ihn unverständlich, er sah nur das Decius aufgab.
Langsam entspannte sich Pavidus richtete sich auf, drehte sich zu dem Podium um, dort oben wo Gaius seine Rede hielt. Und dann hörte er das Worte was für ihn von Bedeutung war, das einzige worauf er gewartet hatte. Frei.
Zwei Herzschläge später brach die Anspannung, Angst und Freude sich ihre Bahn. Das Schwert hochreißend schrie Pavidus es heraus und lief durch die Arena. FREEEIIIIIIII.

Damals hatte er seine Freiheit errungen, war ein Held für eine Kurze Zeit.
Pavidus hatte danach endlich den Baumeister getroffen und seine Kaste offenbart. Er hatte es geschafft seine Ausbildung weiter zu machen, den Kampf auf dem Vosk überlebt, den Aufstand in Victoria.
Heute war er ein Baumeister in Ausbildung sein Traum hatte sich erfüllt. Und bald würde er auch Callista …. wenn sie nur bald aus Argentum zurück wäre.

Mit kraftvollen Schritten ging er durch die Stadt schnappte sich von der Sklavin die draußen mit den Schriftrollen auf ihn gewartet hatte die nächste. „Dann mal sehen was als nächstes zur Besichtigung ansteht.“ Pavidus grinste die Sklavin an und gab ihr einen Klaps auf den Hintern als er sich auf den Weg machte.

von Pavidus (Nobody Melodie)

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